Zum Klimaanpassungs-Konzept des Kreises Bergstraße

Kreistagsrede des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Christian Dietz-Verrier

Herr Kreis­tags­vor­sit­zen­der,
Herr Land­rat, lie­be Kollegen,

zunächst ein­mal möch­te ich aus­drück­lich mit einem posi­ti­ven Aspekt begin­nen: Wir begrü­ßen, dass beim The­ma Kli­ma end­lich stär­ker über Anpas­sung gespro­chen wird.

Denn Kli­ma­an­pas­sung ist grund­sätz­lich etwas völ­lig ande­res als jene Form von Kli­ma­schutz­po­li­tik, die wir seit Jah­ren erle­ben: immer höhe­re CO₂-Preise, immer neue Ver­bo­te, immer stren­ge­re Vor­ga­ben für Bür­ger und Unter­neh­men und immer neue Belas­tun­gen für Auto­fah­rer, Haus­ei­gen­tü­mer und unse­re Wirtschaft.

Wir als AfD sagen: Wenn sich kli­ma­ti­sche Bedin­gun­gen ver­än­dern, dann muss eine ver­nünf­ti­ge Poli­tik dar­auf prag­ma­tisch reagie­ren. Hoch­was­ser­schutz, Wald­brand­vor­sor­ge, Was­ser­ver­sor­gung oder der Schutz unse­rer Infra­struk­tur vor Extrem­wet­ter sind kon­kre­te kom­mu­na­le Aufgaben.

Und tat­säch­lich ent­hält das Kon­zept durch­aus Maß­nah­men, über die man ver­nünf­tig spre­chen kann.

Die Nut­zung und Erwei­te­rung einer KI-gestützten Wald­brand­früh­erken­nung gehört eben­so dazu wie Regen­was­ser­ma­nage­ment auf Schul­ge­län­den, Hoch­was­ser­warn­sys­te­me und mobi­le Hoch­was­ser­schutz­aus­rüs­tung. Genau sol­che Maß­nah­men fin­den sich auch auf der prio­ri­sier­ten Lis­te für die kom­men­den drei Jahre.

Auch die Schu­lung von Ein­satz­kräf­ten für Hoch­was­ser­la­gen, alter­na­ti­ve Lösch­was­ser­ver­sor­gung in abge­le­ge­nen Gebie­ten oder die früh­zei­ti­ge Erken­nung von Lecks in der Was­ser­ver­sor­gung sind kon­kre­te und nach­voll­zieh­ba­re Ansätze.

Aber genau des­halb fällt umso stär­ker auf, wie viel Bal­last die­ses Kon­zept gleich­zei­tig enthält.

Wenn man die prio­ri­sier­ten Maß­nah­men liest, stößt man eben auch auf einen Wett­be­werb namens „Green Curta­ins“, auf eine „Infor­ma­ti­ons­stel­le Kli­ma­an­pas­sung“, auf „Ver­lo­sung und Best-Practice-Beispiele Kli­ma­an­pas­sung“, auf Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen zur Bio­di­ver­si­tät in pri­va­ten Gär­ten, zum kli­ma­an­ge­pass­ten Bau­en und zu Gesundheitsrisiken.

Braucht der Kreis Berg­stra­ße wirk­lich einen Kli­ma­an­pas­sungs­ma­na­ger, damit den Bür­gern erklärt wird, wie sie ihre pri­va­ten Gär­ten zu gestal­ten haben?

Brau­chen wir Wett­be­wer­be über „Green Curtains“?

Brau­chen wir Verlosungen?

Brau­chen wir noch mehr Informationskampagnen?

Oder wäre es nicht wesent­lich sinn­vol­ler, vor­han­de­nes Per­so­nal, vor­han­de­ne Fach­be­hör­den, Feu­er­weh­ren, Was­ser­ver­bän­de und Kom­mu­nen dabei zu unter­stüt­zen, kon­kre­te Pro­ble­me kon­kret zu lösen?

Beson­ders bemer­kens­wert ist näm­lich, was die Vor­la­ge selbst über die drei­jäh­ri­ge Umset­zungs­pha­se sagt: Gegen­stand der Anschluss­för­de­rung ist eine geför­der­te Per­so­nal­stel­le eines Kli­ma­an­pas­sungs­ma­na­gers für drei Jah­re. Gleich­zei­tig sol­len die eigent­li­chen Maß­nah­men nur im Rah­men bereits ein­ge­stell­ter Haus­halts­mit­tel und exis­tie­ren­der För­der­pro­gram­me umge­setzt wer­den. Für die nächs­ten zwölf Mona­te sind zunächst vor allem Vor­be­rei­tun­gen und teil­wei­se ers­te „infor­ma­ti­ve sowie kos­ten­güns­ti­ge Maß­nah­men“ vorgesehen.

Das ist aus unse­rer Sicht der ent­schei­den­de Schwachpunkt.

Es wird zunächst eine Per­so­nal­struk­tur geschaf­fen, die anschlie­ßend Kon­zep­te beglei­tet, Infor­ma­tio­nen ver­teilt, berät, Wett­be­wer­be orga­ni­siert und wei­te­re För­der­pro­gram­me erschließt.

Und irgend­wann stellt sich die klas­si­sche Fra­ge: Ist die Stel­le für die Maß­nah­men da – oder braucht man irgend­wann die Maß­nah­men, um die Stel­le dau­er­haft zu rechtfertigen?

Wir haben inzwi­schen auf allen poli­ti­schen Ebe­nen einen gewal­ti­gen Appa­rat aus Kli­ma­ma­na­gern, Kli­ma­schutz­ma­na­gern, Kli­ma­an­pas­sungs­ma­na­gern, Bera­tungs­stel­len, För­der­pro­gram­men, Agen­tu­ren, Ver­bän­den und Pro­jekt­trä­gern geschaf­fen. Auch die­ses Pro­jekt wird wie­der­um vom Bund gefördert.

Und „geför­dert“ bedeu­tet eben nicht „kos­ten­los“.

Auch För­der­geld ist Steuergeld.

Das Geld fällt nicht vom Him­mel. Der Bür­ger bezahlt es – nur über einen Umweg.

Hin­zu kommt: Vie­les, was hier unter dem gro­ßen Eti­kett „Kli­ma­an­pas­sung“ prä­sen­tiert wird, gehört ohne­hin zu den klas­si­schen Auf­ga­ben einer ver­nünf­ti­gen kom­mu­na­len Daseinsvorsorge.

Hoch­was­ser­schutz? Natürlich.

Eine siche­re Trink­was­ser­ver­sor­gung? Selbstverständlich.

Funk­ti­ons­fä­hi­ge Ent­wäs­se­rungs­sys­te­me? Kom­mu­na­le Kernaufgabe.

Wald­brand­vor­sor­ge? Natür­lich notwendig.

Lösch­was­ser­ver­sor­gung? Auf­ga­be des Katastrophen- und Brandschutzes.

Was­ser­rück­halt und Pfle­ge unse­rer Wäl­der? Seit Jahr­zehn­ten Gegen­stand ver­nünf­ti­ger Forstwirtschaft.

Das Kon­zept selbst beschreibt bei­spiels­wei­se die Anpas­sung von Kanal­sys­te­men und den Aus­bau von Rück­hal­te­flä­chen zum Schutz vor Stark­re­gen. Auch Wald­um­bau, Misch­wäl­der und die Ver­rin­ge­rung von Mono­kul­tu­ren wer­den aus­führ­lich behandelt.

War­um müs­sen wir all das mit einem neu­en kli­ma­po­li­ti­schen Über­bau versehen?

War­um nen­nen wir Hoch­was­ser­schutz nicht ein­fach Hochwasserschutz?

War­um nen­nen wir Kata­stro­phen­schutz nicht Katastrophenschutz?

War­um nen­nen wir nach­hal­ti­ge Forst­wirt­schaft nicht nach­hal­ti­ge Forstwirtschaft?

Und war­um ver­wen­den wir das vor­han­de­ne Geld nicht mög­lichst unmit­tel­bar dort, wo tat­säch­lich ein mess­ba­rer Nut­zen für die Bür­ger entsteht?

Genau hier ver­läuft für uns die Gren­ze zwi­schen prag­ma­ti­scher Kli­ma­an­pas­sung und insti­tu­tio­na­li­sier­ter Klimapolitik.

Wir unter­stüt­zen kon­kre­te Vor­sor­ge. Wir unter­stüt­zen tech­ni­schen Hoch­was­ser­schutz. Wir unter­stüt­zen eine zuver­läs­si­ge Was­ser­ver­sor­gung. Wir unter­stüt­zen funk­tio­nie­ren­den Kata­stro­phen­schutz und sinn­vol­le Waldbrandfrüherkennung.

Was wir nicht unter­stüt­zen, ist Phrasendrescherei.

Was wir nicht unter­stüt­zen, sind Lippenbekenntnisse.

Was wir nicht unter­stüt­zen, ist die Bevor­mun­dung der Bür­ger bis hin­ein in ihre pri­va­ten Gärten.

Und was wir eben­falls nicht unter­stüt­zen, ist ein Sys­tem, bei dem immer neue Stel­len, Bera­tungs­an­ge­bo­te, Kam­pa­gnen und Pro­jek­te ent­ste­hen, von denen am Ende vor allem die Klima- und För­der­mit­tel­lob­by pro­fi­tiert und ihre lau­fen­den Struk­tu­ren finanziert.

Kli­ma­an­pas­sung muss kon­kret, mess­bar und wirt­schaft­lich sein.

Jeder Euro, der in ein wirk­sa­mes Hoch­was­ser­warn­sys­tem fließt, ist bes­ser ange­legt als ein Euro für die nächs­te Informationskampagne.

Jeder Euro für funk­tio­nie­ren­den Kata­stro­phen­schutz ist sinn­vol­ler als Geld für einen „Green-Curtains“-Wettbewerb.

Und jeder Euro für tat­säch­lich not­wen­di­ge Infra­struk­tur ist bes­ser ein­ge­setzt als für zusätz­li­che Bürokratie.

Ja zu prag­ma­ti­scher Anpas­sung an rea­le Risi­ken – aber Nein zu die­sem Kli­ma­an­pas­sungs­kon­zept in der vor­lie­gen­den Form.

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