Gelber Sack: Viel Lärm um wenig – die FWG verschweigt entscheidende Fakten

Die Dis­kus­si­on um die künf­ti­ge Samm­lung der Gel­ben Säcke im Kreis Berg­stra­ße hat in den ver­gan­ge­nen Tagen für erheb­li­che Ver­un­si­che­rung gesorgt. Ins­be­son­de­re die Freie Wäh­ler­ge­mein­schaft (FWG) erweckt mit ihrer Kri­tik den Ein­druck, Kreis und ZAKB hät­ten eine „fata­le Ent­schei­dung“ getrof­fen und die Bür­ger müss­ten künf­tig auf­grund einer ver­fehl­ten Ver­ga­be zusätz­lich bezah­len. So spricht die FWG sogar von einer „dau­er­haf­ten Gebüh­ren­er­hö­hung durch die Hintertür“.

Diese Darstellung erzählt allenfalls nur die halbe Wahrheit.

Weder der Kreis Berg­stra­ße noch der ZAKB haben ent­schie­den, den Auf­trag an die RESO GmbH zu ver­ge­ben. Die Samm­lung und Ver­wer­tung von Leicht­ver­pa­ckun­gen ist kei­ne kom­mu­na­le Abfall­ent­sor­gung, son­dern wird von den pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­ten Dua­len Sys­te­men finan­ziert und aus­ge­schrie­ben. Der ZAKB hat sich mit sei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft Ener­gie und Dienstleistungs-GmbH an der euro­pa­wei­ten Aus­schrei­bung betei­ligt. Den Zuschlag erhielt RESO als geeig­ne­tes Unter­neh­men mit dem güns­tigs­ten Ange­bot. Kreis und ZAKB hat­ten auf die­se Ver­ga­be­ent­schei­dung kei­nen Einfluss.

Damit geht auch der Vor­wurf einer „Gebüh­ren­er­hö­hung durch die Hin­ter­tür“ ins Lee­re. Die Samm­lung der Leicht­ver­pa­ckun­gen wird nicht über die kom­mu­na­len Abfall­ge­büh­ren finan­ziert. Ver­brau­cher bezah­len deren Ent­sor­gung bereits über den Preis der ver­pack­ten Pro­duk­te. Der Betrei­ber­wech­sel hat des­halb kei­nen Ein­fluss auf die Höhe der Abfallgebühren.

Für die gro­ße Mehr­heit der Bür­ger ändert sich prak­tisch nichts. Der Gel­be Sack bleibt, die Abho­lung bleibt kos­ten­los und erfolgt wei­ter­hin alle vier Wochen. Die bekann­ten Aus­ga­be­stel­len für Gel­be Säcke blei­ben bestehen und selbst die Abfuhr­ter­mi­ne wer­den wei­ter­hin im ZAKB-Abfallkalender und in der ZAKB-App ange­zeigt, so zumin­dest ver­kün­det es Unter­neh­men auf sei­ner Webseite.

Richtig ist allerdings, dass es zwei Einschränkungen gibt.

Wer sich pri­vat eine Gel­be Ton­ne ange­schafft hat, kann die­se zunächst wei­ter­hin ver­wen­den: RESO hat ange­kün­digt, pri­vat ange­schaff­te Ton­nen vor­erst noch zu lee­ren; regio­nal wird als vor­aus­sicht­li­cher Über­gangs­zeit­raum der 30. Juni 2027 genannt. Danach kann eine sol­che Ton­ne selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin als geschütz­ter Auf­be­wah­rungs­be­häl­ter für die Gel­ben Säcke die­nen. Vor dem Abhol­tag müs­sen die Säcke dann ledig­lich aus der Ton­ne genom­men und zur Abho­lung bereit­ge­stellt wer­den. Nie­mand wird also gezwun­gen, für 30 Euro im Jahr eine RESO-Tonne zu mie­ten. Die von der FWG genann­ten Kos­ten betref­fen ein frei­wil­li­ges zusätz­li­ches Ange­bot des pri­va­ten Entsorgers.

Die zwei­te tat­säch­li­che Ver­schlech­te­rung betrifft die ZAKB-Wertstoffhöfe. Dort kön­nen Gel­be Säcke künf­tig nicht mehr abge­ge­ben wer­den. Aber auch hier­für gibt es einen nach­voll­zieh­ba­ren recht­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Grund: Weil die ZAKB-Tochter EuD den Sam­mel­auf­trag ver­liert, darf der ZAKB die dort abge­ge­be­nen Gel­ben Säcke nicht mehr wie bis­her an die Dua­len Sys­te­me zur Ver­wer­tung über­ge­ben. Der ZAKB erklärt aus­drück­lich, dass er die­se Annah­me des­halb nicht ein­fach als eige­ne Dienst­leis­tung fort­füh­ren kann.

Gera­de die­sen Punkt soll­te man nicht schön­re­den. Hier erwar­ten wir als AfD Kreis­tags­frak­ti­on eine mög­lichst bür­ger­freund­li­che Lösung. Die Kreis­ver­wal­tung soll­te sich bei der Fa. RESO GmbH deut­lich dafür ein­set­zen, dass auch wei­ter­hin dezen­tra­le Abga­be­mög­lich­kei­ten im Kreis­ge­biet zur Ver­fü­gung stehen.

Die AfD-Kreistagsfraktion hält aber nichts davon, aus einem regu­lä­ren Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren einen kom­mu­nal­po­li­ti­schen Skan­dal zu kon­stru­ie­ren. Man kann über die Nach­tei­le des Betrei­ber­wech­sels dis­ku­tie­ren und soll­te ins­be­son­de­re für zusätz­li­che Abga­be­stel­len kämp­fen. Wer aber den Ein­druck erweckt, der Kreis habe eine teu­re­re oder bür­ger­feind­li­che Lösung beschlos­sen oder den Bür­gern eine neue Abfall­ge­bühr auf­er­legt, ver­dreht die Tat­sa­chen und betreibt bil­ligs­ten Populismus.

Unter dem Strich bleibt daher vor allem eines: ein Sturm im Gel­ben Sack!

Chris­ti­an Dietz-Verrier, stellv. Fraktionsvorsitzender

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