Die pädagogische Eingreiftruppe: Wenn Wahlprogramme zum „Sicherheitsrisiko“ werden
Wie beruhigend: Ein schlichtes Kommunalwahlprogramm reicht heutzutage offenbar aus, um eine pädagogische Eingreiftruppe in Marsch zu setzen. Drei Personen, ein Pressegespräch und die ganz große moralische Alarmbeleuchtung – schon gilt die Demokratie als gerettet. Nicht etwa durch das bessere Argument, sondern durch die bloße Deutungshoheit.
Das Spiel ist so durchschaubar wie ermüdend:
| Wir schreiben: „Heimat schützen.“ | Sie lesen: „Verschwörung.“ |
| Wir schreiben: „Kommunen entlasten.“ | Sie hören: „Angstpolitik.“ |
| Wir schreiben: „Haushalt ordnen.“ | Sie sehen: „soziale Grausamkeit.“ |
Das ist keine politische Analyse. Das ist reine Projektion.
Statt unsere Inhalte sachlich zu widerlegen, werden sie psychologisiert. Unsere Forderungen seien angeblich nur deshalb „harmlos formuliert“, um die Menschen zu täuschen. Übersetzt heißt das im Umkehrschluss: Verständliche Politik ist an sich schon verdächtig. Demokratie darf nach diesem Verständnis wohl nur noch im Beamtendeutsch mit zwölf Nebensätzen stattfinden, damit bloß kein Bürger mehr versteht, worum es eigentlich geht.
Besonders aufschlussreich ist das Grundmuster dieser Initiative: Nicht unsere Positionen werden geprüft, sondern unsere Motive gedeutet. Nicht unsere Zahlen werden diskutiert, sondern unsere Wähler therapiert. Man betreibt keine politische Konkurrenz, sondern moralische Abschreckungsarbeit.
Hier wird versucht, Migration, Energiepreise und kommunale Haushaltsnotlagen statistisch für „ungefährlich“ zu erklären, während Bürgermeister und Kämmerer vor Ort täglich an der Realität scheitern. Theorie ersetzt Erfahrung, Haltung ersetzt Wirklichkeit.
Der Kern der Sache liegt offen zutage: Unentschlossene Wähler sollen nicht überzeugt, sondern gewarnt werden. Und zwar vor einem Wahlprogramm. Vor einem Text. Vor dem Lesen an sich.
Früher nannte man so etwas politischen Diskurs. Heute firmiert es unter „Gefährdung realer Lebenswege“. Wenn ein Programm allein schon als existenzielles Risiko gilt, dann ist nicht das Programm radikal – sondern eine politische Kultur, die Kritik nur noch als lästige Störung erträgt.
Und hier folgt die unfreiwillige Pointe dieser Inszenierung: Je lauter man davor warnt, wie „gefährlich“ unsere Inhalte seien, desto eher werden die Menschen sie selbst lesen. Und sie werden feststellen, dass dort keine Dystopie steht, sondern knallharte Kommunalpolitik: Energie, Finanzen, Ordnung, Infrastruktur.
Kurzum: Wer Politik nur noch moralisch bewertet, hat inhaltlich bereits kapituliert. Wer Bürger vor Texten schützen will, traut ihnen weder Urteilskraft noch Demokratie zu. Wer Wahlprogramme bekämpft, statt sie zu widerlegen, beweist nur eines: Nicht unser Programm macht ihnen Angst – sondern die bloße Möglichkeit, dass die Bürger selbst denken, vergleichen und entscheiden könnten.
Meine Empfehlung: Lesen Sie das Original-Programm der AfD für den Kreis Bergstraße. Bilden Sie sich Ihre Meinung und gehen Sie am 15.03.2026 als mündiger Bürger ohne Scheuklappen wählen.
Norbert Taufertshöfer
Heppenheim