Nicht hauptsächlich Logistik-Betriebe im Kreis ansiedeln

Den kri­ti­schen Äuße­run­gen bezüg­lich der Gier nach Aus­bau muss ich zustim­men. Aber auch eine nicht nach­voll­zieh­ba­re Ver­ga­be­po­li­tik für wert­vol­le Gewer­be­flä­chen muss hin­ter­fragt wer­den. Im Kreis Berg­stra­ße wer­den sol­che Flä­chen haupt­säch­lich an die Logis­tik­bran­che ver­ge­ben, die für die Zunah­me des Schwer­last­ver­kehrs und somit auch für zusätz­li­che Umwelt- und Gesund­heits­be­las­tun­gen ver­ant­wort­lich sind.

Jüngs­tes Bei­spiel dafür ist das zukünf­ti­ge Logis­tik­zen­trum in Bib­lis. Dort wird eine Flä­che von cir­ca 135.000 Qua­drat­me­tern (Ver­gleich: Allianz-Arena Mün­chen = 73.900 Qua­drat­me­ter) ver­sie­gelt.

Land­rat Engel­hardt spricht von einem Top-Standort für die Logis­tik. Der Neu­bau wer­de für Bewe­gung in der Gemein­de sor­gen. Bewe­gen wer­den sich mit Sicher­heit die Lkws um die­sen Top-Standort. Dies aber nicht zum Vor­teil der Bür­ger von Bib­lis.

Die Ver­ga­be von Gewer­be­flä­chen kann auch intel­li­gen­ter gestal­tet wer­den. Die Kenn­zahl – ver­bau­te Flä­che zu geschaf­fe­nen Arbeits­plät­zen – wird lei­der nicht betrach­tet. War­um wer­den nicht gezielt inno­va­ti­ve bezie­hungs­wei­se Start-up-Unternehmen ange­sie­delt? Dies soll­te doch für den Kreis Berg­stra­ße als Teil der Metro­pol­re­gi­on Rhein-Neckar kein Pro­blem sein.

Der ein­zi­ge Grund, war­um die Poli­tik in Hep­pen­heim einen zwei­ten Auto­bahn­an­schluss bezie­hungs­wei­se den Aus­bau auf sechs Fahr­bah­nen for­dert, ist der Logis­tik­bran­che geschul­det. Hät­te die Poli­tik in der Ver­gan­gen­heit früh­zei­tig auf einen funk­tio­nie­ren­den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) gesetzt, wären die Pro­ble­me mit dem zuneh­men­den Durch­gangs­ver­kehr, inklu­si­ve Indi­vi­du­al­ver­kehr, wesent­lich gerin­ger. Wer wis­sen möch­te, wie stief­müt­ter­lich der ÖPNV behan­delt wird, muss sich nur mit den diver­sen Gre­mi­en auf Stadt- bezie­hungs­wei­se Kreis­ebe­ne beschäf­ti­gen.

Schließ­lich: Ein Aus­bau der A 5 auf sechs Fahr­bah­nen ein­schließ­lich Auto­bahn­an­schluss wird auch das Ende des Segel­flu­plat­zes bedeu­ten. Wei­ter­hin wird der letz­te zusam­men­hän­gen­de Nah­erho­lungs­be­reich – west­lich der A 5 – als wei­te­re Gewer­be­an­sied­lungs­flä­che inter­es­sant. All dies, weil sich ein paar weni­ge, bür­ger­frem­de Poli­ti­ker ein Denk­mal set­zen wol­len.

Micha­el Ober­mair, Hep­pen­heim

(Leser­brief im „Berg­strä­ßer Anzei­ger“ vom 25.07.2016)

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